Kyudo zählt zu den ältesten der traditionellen japanischen Budo-Künste. Zusammen mit der Schwertkunst gehörte Kyudo zur Grundausbildung der Samurai. Der Aufstieg der Kriegerkaste und ihre massgebende regierende Schicht machten Kyudo zu einer der wichtigsten Disziplinen der von den Samurai praktizierten Kriegskünsten.

Ursprünglich war also der japanische Bogen eine Jagd- und Kriegswaffe, doch bereits im 8. Jahrhundert in der Nara-Zeit wurde Kyudo - der Weg des Bogens - bei zeremoniellen Anlässen ausgeúbt. Unter dem Einfluss des aufkommenden Konfuzianismus übernahm ein System moralischer Werte (Do) die Vorherrschaft über die Verwendung des Bogens und die damit verbundene Schiesstechnik.

Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen und den umfassenden Änderungen in der japanischen Gesellschaft anfangs des 19. Jahrhunderts, verlor das Bogenschiessen endgültig seine kriegerische Bedeutung und wandelte sich in eine Disziplin, welche Körper und Geist förderte. Wenn das Schiessen im Rahmen des Do geübt wird, so müssen alle Haltungen und alle Bewegungen gemäss genau vorgeschriebenen Vorschriften ausgeführt werden. Das Kyudo war von je von einem besonderen ästhetischen Bedeutung durchdrungen, welche man paradoxerweise auch in den Schwertern, den Rüstungen und sogar den Bogen beobachten kann. Der Höhepunkt dieses Strebens nach Harmonie: die ästhetische Verbindung zwischen dem Bild des Körpers des Schützen und dem Bogen selbst, welche zu einer perfekten Gesamtheit verschmelzen.

Wie jede gut verstandene Kampfkunst, reicht das Kyudo über den blossen Sport hinaus. In der Tat, sobald die Basisbewegungen gelernt sind, beginnt die lange persönliche Suche nach innerer Harmonie und zusammen mit den anderen. Dazu kommt nun das Streben nach Ästhetik, der Beherrschung des Gedanklichen und das sich selbst Übertreffen.

Obwohl das Kyudo seinen Ursprung im « Weg des du Kriegers » (Bushido) findet, welcher die Würde des Krieges und des Kampfes rühmte, wurde es in modernen Zeiten der Weg des wirklich « redlichen Menschen », der Weg, der zur Freundlichkeit führt. Wenn ein Schütze schiesst, so spiegelt seine Gestik so getreu wie möglich das wieder, was er tatsächlich ist. Eine korrekte Lösung des Schusses erscheint, wenn der Bogenschütze das Gleichgewicht in der Wahrheit findet.